Warum bekomme ich weniger Geld für meinen Solarstrom?
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    Wirtschaftlichkeit· 13 Min.

    Warum bekomme ich weniger Geld für meinen Solarstrom?

    Die Vergütung für eingespeisten Solarstrom ist in vielen Schweizer Gemeinden in den letzten Jahren gesunken. Was auf den ersten Blick nach einer schlechten Nachricht klingt, ist vor allem eine Folge des Erfolgs der Photovoltaik. Warum die Einspeisevergütung sinkt und weshalb der Eigenverbrauch dadurch immer wichtiger wird, erfahren Sie in diesem Beitrag.

    Carlos Lindner
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    Carlos Lindner
    Veröffentlicht ·Aktualisiert ·13 Min. Lesezeit

    Derselbe Solarstrom, aber weniger Ertrag

    Es ist ein sonniger Frühlingstag in Winterthur. Auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses produziert die Solaranlage seit den frühen Morgenstunden zuverlässig Strom. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind bei der Arbeit, die meisten Wohnungen stehen leer und auch die Wärmepumpe hat an diesem Tag wenig zu tun.

    Ein Teil des Solarstroms wird direkt im Gebäude genutzt. Die Eigentümerschaft hat bereits einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) gegründet, sodass die Mietenden den Strom vom eigenen Dach beziehen können. Im Erdgeschoss befindet sich zudem ein kleiner Coiffeursalon, der seinen Strom ebenfalls direkt von der Solaranlage auf dem Dach bezieht und tagsüber einen Teil der Produktion nutzt.

    Trotzdem produziert die Solaranlage an diesem sonnigen Tag mehr Energie, als im Gebäude insgesamt benötigt wird. Der überschüssige Strom fliesst deshalb ins öffentliche Stromnetz.

    Als die Eigentümerschaft einige Jahre zuvor die Wirtschaftlichkeit der Anlage berechnete, wurde für diesen eingespeisten Strom noch eine deutlich höhere Vergütung angenommen. Heute sieht die Situation anders aus. Für dieselbe Kilowattstunde Solarstrom bezahlt der Energieversorger vielerorts weniger als noch vor wenigen Jahren.

    Die Frage liegt deshalb nahe: Warum sinkt die Einspeisevergütung eigentlich?

    Was ist die Einspeisevergütung?

    Die Einspeisevergütung, häufig auch Rückliefertarif genannt, ist der Betrag, den ein Energieversorger für überschüssigen Solarstrom bezahlt.

    Immer dann, wenn eine Solaranlage mehr Strom produziert, als im Gebäude benötigt wird, fliesst dieser Überschuss ins öffentliche Stromnetz. Für diese Energie erhalten Betreiberinnen und Betreiber einer Photovoltaikanlage eine Vergütung.

    Anders als viele vermuten, ist dieser Preis jedoch nicht fix. Die Höhe des Rückliefertarifs kann sich von Jahr zu Jahr verändern. Heute orientiert sich die Vergütung, mit wenigen Ausnahmen, schweizweit zunehmend am tatsächlichen Marktwert des Stroms.

    In Winterthur gilt aktuell noch ein saisonaler Rückliefertarif. Für das Jahr 2026 werden 13,00 Rp./kWh im Winterhalbjahr (Q1 und Q4) sowie 10,00 Rp./kWh im Sommerhalbjahr (Q2 und Q3) vergütet.

    Der ausbezahlte Betrag setzt sich dabei aus zwei Komponenten zusammen: Einerseits wird die eingespeiste Energie vergütet, andererseits vergütet der Energieversorger die Herkunftsnachweise (HKN), welche die erneuerbare Herkunft des Solarstroms bestätigen.

    Wie sich die Tarife in den kommenden Jahren entwickeln werden, ist jedoch offen und hängt unter anderem von den Marktpreisen, den regulatorischen Vorgaben sowie der weiteren Entwicklung des Strommarktes ab.

    Warum sinkt die Vergütung gerade jetzt?

    Die wichtigste Ursache ist eigentlich eine gute Nachricht: In der Schweiz werden immer mehr Solaranlagen gebaut.

    An sonnigen Tagen produzieren heute tausende Dächer gleichzeitig Strom. Besonders zur Mittagszeit entsteht dadurch ein grosses Angebot an Energie. Wie in vielen Märkten gilt auch hier: Wenn das Angebot steigt und die Nachfrage nicht im gleichen Mass zunimmt, sinkt der Preis.

    Der Solarstrom verliert dadurch nicht seinen Nutzen. Für das Stromsystem bleibt er wertvoll. Sein Marktwert in genau diesem Moment fällt jedoch tiefer aus als noch vor einigen Jahren.

    Strom hat nicht zu jeder Zeit denselben Wert

    Viele Menschen gehen davon aus, dass eine Kilowattstunde Strom immer gleich viel wert ist. Tatsächlich hängt ihr Wert jedoch stark davon ab, wann sie produziert wird.

    An einem kalten Winterabend wird Strom oft dringend benötigt. Die Nachfrage ist hoch und die Produktion aus Solaranlagen gering. Entsprechend steigt sein Marktwert.

    An einem sonnigen Frühlingsmittag sieht die Situation anders aus. Tausende Solaranlagen produzieren gleichzeitig Strom, während der Verbrauch deutlich tiefer ausfällt. Dadurch sinkt der Wert jeder zusätzlich eingespeisten Kilowattstunde.

    Kernaussage

    Die Einspeisevergütung folgt dem Strommarkt. Wenn Solarstrom mittags im Überfluss vorhanden ist, sinkt sein Marktwert. Je mehr Solaranlagen gleichzeitig Strom produzieren, desto geringer fällt häufig die Vergütung für eingespeisten Solarstrom aus.

    Was kann man konkret tun?

    Für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet die sinkende Einspeisevergütung nicht zwangsläufig einen Nachteil. Vielmehr verändert sich der Fokus.

    • Eigenverbrauch erhöhen | Wer den produzierten Solarstrom direkt im Gebäude nutzt, macht sich weitgehend unabhängig von der Einspeisevergütung. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Strom aus dem öffentlichen Netz und schafft dadurch einen direkten Mehrwert.
    • Verbrauch in die Sonnenstunden verlagern | Wärmepumpen, Warmwasseraufbereitungen, Wallboxen oder andere grössere Verbraucher können gezielt dann betrieben werden, wenn die Solaranlage Strom produziert.
    • Solarstrom speichern | Batteriespeicher ermöglichen es, überschüssige Energie vom Mittag in die Abendstunden zu verschieben. Dadurch bleibt ein grösserer Teil des Solarstroms im eigenen Gebäude.
    • Solarstrom lokal verkaufen | Nicht jeder Stromüberschuss muss ins öffentliche Netz fliessen. Mit einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV), einem virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) oder einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) kann Solarstrom auch lokal genutzt oder verkauft werden.
    Fazit

    Mit sinkenden Einspeisevergütungen wird es zunehmend wichtiger, den erzeugten Solarstrom möglichst sinnvoll selbst zu nutzen. Besonders attraktiv kann der Strom sein, wenn er direkt vor Ort verbraucht, gespeichert oder innerhalb einer Energiegemeinschaft verkauft wird.

    Wer heute eine Solaranlage plant oder bereits betreibt, sollte deshalb neben der Stromproduktion auch darauf achten, wie der erzeugte Strom möglichst wirtschaftlich genutzt werden kann.

    Nächster Schritt

    Wie wirkt sich die sinkende Einspeisevergütung auf Ihre Anlage aus?

    Wir analysieren Ihre Produktion, Ihren Verbrauch und Ihren aktuellen Rückliefertarif und zeigen auf, welche Möglichkeiten bestehen, den Eigenverbrauch zu erhöhen und den Nutzen Ihrer Solaranlage weiter zu verbessern.

    Häufige Fragen

    Häufige Fragen

    Das weiss heute niemand mit Sicherheit. Der Strommarkt reagiert auf eine Vielzahl von Einflüssen und hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie schnell sich die Rahmenbedingungen verändern können.

    Noch vor wenigen Jahren schien günstige Energie in Europa selbstverständlich. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine änderte sich dies innert kürzester Zeit. Die Energiepreise stiegen stark an und viele Energieversorger mussten ihre Tarife neu kalkulieren.

    Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt. Gleichzeitig produziert die Schweiz heute deutlich mehr Solarstrom als noch vor einigen Jahren. Besonders an sonnigen Tagen entsteht zur Mittagszeit ein grosses Stromangebot, was die Marktpreise und damit auch die Einspeisevergütung unter Druck setzt.

    Wie sich die Vergütungen künftig entwickeln werden, hängt deshalb nicht nur vom Ausbau der Photovoltaik ab, sondern auch von Speichern, Netzen, politischen Entscheidungen und den internationalen Energiemärkten.

    Für die meisten Gebäude lautet die Antwort nach wie vor: Ja!

    Allerdings hat sich die wirtschaftliche Logik verändert. Während früher ein grösserer Teil der Erträge über die Einspeisung erzielt wurde, liegt der Fokus heute zunehmend auf dem Eigenverbrauch, dem Verkauf innerhalb des Mehrfamilienhauses oder dem lokalen Verkauf an die Nachbarschaft oder innerhalb der Gemeinde.

    Eine Kilowattstunde Solarstrom ist oft dort am wertvollsten, wo sie produziert wird. Läuft die Wärmepumpe mit eigenem Solarstrom, wird das Elektroauto tagsüber geladen oder nutzt ein Unternehmen den Strom direkt vor Ort, ersetzt dies Strom, der sonst aus dem Netz bezogen werden müsste.

    Deshalb stellt sich heute weniger die Frage, wie viel Strom eine Solaranlage produziert. Viel wichtiger ist die Frage, wie viel davon tatsächlich vor Ort genutzt werden kann.

    Wer die Rückliefertarife verschiedener Elektrizitätswerke vergleicht, stellt schnell fest, dass die Unterschiede teilweise erheblich sind. Teilweise gibt es Verteilnetzbetreiber, die die Vergütung nach dem Marktpreissystem wählen, andere legen für kleinere Anlagen ein Fixpreismodell fest. Klar ist, wenn ein Verteilnetzbetreiber oder eine Gemeinde nichts anderes festlegt, gilt das Markpreissystem, und das ändert sich auf den 1. Januar 2027. Mehr dazu im Artikel: Wie viel bekomme ich für meinen Solarstrom?

    Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich. Schliesslich produziert eine Solaranlage genau dann besonders viel Strom, wenn die Sonne scheint.

    Genau darin liegt jedoch die Ursache. An einem sonnigen Frühlingstag produzieren nicht nur einzelne Anlagen viel Energie, sondern tausende Dächer gleichzeitig. Während das Angebot stark steigt, wächst die Nachfrage nicht im gleichen Ausmass.

    Das Ergebnis kennt man auch von anderen Märkten: Ist etwas im Überfluss vorhanden, sinkt der Preis.

    Für Solarstrom bedeutet das, dass eine Kilowattstunde an einem sonnigen Mittag häufig weniger wert ist als dieselbe Kilowattstunde an einem kalten Winterabend. Dann wird Strom oft dringend benötigt, während Solarstrom kaum verfügbar ist.

    Deshalb gewinnen Batteriespeicher, Eigenverbrauch und Energiegemeinschaften zunehmend an Bedeutung. Sie führen dazu, dass Strom lokal genutzt wird und ermöglichen Gebäudeübergreifende Eigenverbrauchsoptimierungen.

    Ja, jedoch mit Augenmass.

    Bei Anlagen mit Eigenverbrauch empfehle ich, die Wirtschaftlichkeit primär auf dem Eigenverbrauch und dem lokalen Verkauf von Solarstrom aufzubauen. Die Einspeisevergütung sollte eher als zusätzlicher Ertrag betrachtet werden, also „schön, wenn sich da noch etwas ergibt" und nicht als tragende Säule der eigentlichen Investition.

    Der Grund dafür ist einfach: Niemand kann heute verlässlich sagen, wie hoch die Vergütung in zehn oder zwanzig Jahren sein wird. Der Eigenverbrauch dagegen ersetzt direkt Strombezugskosten und schafft dadurch einen deutlich stabileren wirtschaftlichen Nutzen.

    Bei grösseren Photovoltaikanlagen ohne Eigenverbrauch gelten teilweise andere Rahmenbedingungen. Je nach Projekt können Förderinstrumente wie die hohe Einmalvergütung (HEIV) oder die gleitende Marktprämie (GMP) genutzt werden.

    Während die hohe Einmalvergütung Maximal 60% der Investitionskosten deckt, erhält die Anlage bei der gleitenden Marktprämie über einen definierten Zeitraum eine fixe Vergütung pro eingespeister Kilowattstunde.

    Dadurch entsteht über viele Jahre hinweg eine höhere Planungssicherheit. Solche Anlagen werden deshalb oft anders bewertet als klassische Eigenverbrauchsanlagen auf Ein- oder Mehrfamilienhäusern.

    Ja. Eine Photovoltaikanlage, die über die gleitende Marktprämie (GMP) gefördert wird und keinen Eigenverbrauch aufweist, kann grundsätzlich auch innerhalb einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) oder über ein Power Purchase Agreement (PPA), also einen langfristigen Stromliefervertrag, vermarktet werden.

    Die gleitende Marktprämie orientiert sich dabei nicht am tatsächlich erzielten Verkaufspreis, sondern am vom Bund festgelegten Referenzmarktpreis (zuzüglich HKN-Referenzpreis). Liegt dieser Referenzmarktpreis unter dem im Auktionsverfahren festgelegten Vergütungssatz, wird die Differenz über die gleitende Marktprämie ausgeglichen.

    Dies bedeutet, dass ein Anlagenbetreiber seinen Strom beispielsweise über eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) oder über ein Power Purchase Agreement (PPA) zu einem höheren Preis als dem Referenzmarktpreis verkaufen kann und dadurch zusätzliche Erlöse erzielt. Die Berechnung der Marktprämie erfolgt dennoch weiterhin auf Basis des Referenzmarktpreises und nicht auf Basis des tatsächlich erzielten Verkaufspreises.

    Umgekehrt gilt: Liegt der Referenzmarktpreis über dem festgelegten Vergütungssatz, muss die entsprechende Differenz an den Netzzuschlagsfonds zurückbezahlt werden. Verkauft der Anlagenbetreiber seinen Strom in diesem Fall zu einem Preis, der unter dem Referenzmarktpreis liegt, kann dadurch ein wirtschaftlicher Nachteil entstehen. Die Rückzahlungspflicht richtet sich nämlich weiterhin nach dem Referenzmarktpreis, unabhängig davon, zu welchem Preis der Strom tatsächlich vermarktet wurde.

    Die gleitende Marktprämie dient primär als Absicherungsmechanismus gegenüber dem vom Bund definierten Referenzmarktpreis. Zusätzliche Vermarktungserlöse über eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) oder ein Power Purchase Agreement (PPA) verbleiben grundsätzlich beim Anlagenbetreiber, während die Marktprämie beziehungsweise eine allfällige Rückzahlung weiterhin anhand des Referenzmarktpreises berechnet wird.

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